Der Kampf mit den Finsternismächten - Dienst ohne Vollmacht

Bevor die Erweckung ausbrach, war ich zwölf Jahre lang Missionar. Ich predigte frei von Her­zen, obwohl ich Pfarrer kannte, die das nicht ta­ten. Einige sagten, man müsse vorsichtig sein mit dem, was man predigt. Möglicherweise laufen die Leute aus der Kirche, wenn man ihnen die Wahr­heit predigt. Aber ich sagte den Zulus: "Bekehrt euch und ändert euer Leben. Wenn ihr das nicht tut, seid ihr auf dem Weg zur Hölle." Die Zulus antworteten mir daraufhin: "Wir hören, was du sagst, aber du mußt uns verstehen. Das Christen­tum ist die Religion der Weißen. Wir haben unse­re eigene Religion. Du bist Christ, weil deine Vorfahren Christen waren. Wenn du in eine Zu­lufamilie hineingeboren worden wärest, wärest du so wie wir. Das Christentum ist gut, und wir haben viel von der westlichen Zivilisation profi­tiert. Ihr habt Kirchen und Schulen für uns ge­baut. Aber das genügt uns nicht. Wir wollen au­ßerdem an unserer Tradition festhalten. Wir wol­len weiterhin unseren Ahnenkult beibehalten. Auch wenn wir Christen sind, müssen wir mit einem kranken Kind zum Zauberer gehen, um herauszufinden, warum das Kind krank ist und wer es krank gemacht hat. Wenn jemand gestor­ben ist, müssen wir ein Fest für den Verstorbenen feiern, um seinen Geist zurückzubringen und ihn anzubeten, weil der Geist eines Verstorbenen in der Schlange wohnt. Es ist unsere Sitte, daß wir bei einem Fest den ,Mancishane" (kleines Bierge­fäß) und ein Stück Fleisch nehmen, um es den Geistern der Verstorbenen hinzustellen." (Dieser Platz befindet sich gewöhnlich an der Rückwand einer Zuluhütte.) Ich versuchte, ihnen klarzuma­chen, daß der Ahnenkult teuflisch ist und wir all dies nicht brauchen, wenn wir Jesus haben. Doch auf ihre Weise erklärten sie mir, daß für sie das Christentum wie Wasser sei, das man aufs Feuer schüttet. Es löscht zwar die Flamme, aber die Glut bleibt. Das ist der Grund, warum sie an ihrer alten Tradition festhalten, die ihrer Meinung nach an die Wurzel der Dinge geht. Vergeblich versuchte ich, ihnen zu erklären, daß es genügt, wenn man Jesus hat.

Eines Tages betete ich ernsthaft: "O Herr, bitte sei heute mit mir, wenn ich den Gottesdienst hal­te. Gib mir Weisheit und die Kraft deines Heili­gen Geistes. Gib mir dein Wort und die Autorität, daß ich diese Zulus davon überzeugen kann, daß du nicht nur der Gott der Weißen, sondern der Sohn Gottes bist, der für alle gestorben, aufer­standen und gen Himmel gefahren ist." Ich arbei­tete meine Predigt sorgfältig aus und begann mit dem Alten Testament, was die Propheten über Je­sus Christus geweissagt hatten. Jesaja, der 600 Jahre vor der Geburt des Messias lebte, prophe­zeite die Jungfrauengeburt. Ich predigte den Zu­lus, wie sich all diese Verheißungen des Alten Te­staments erfüllt hatten und schließlich der Herr Jesus für unsere Sünden am Kreuz starb und auf­erstanden ist, damit wir leben sollen. "Wir brau­chen nicht Mohammed anzubeten, an dessen Grab wir gehen können, wo seine Knochen lie­gen. Wir brauchen nicht Buddha. Dieser starb, und das war das Ende. Dieses sind tote Götter. Jesus aber ist ein lebendiger Gott. Sein Grab war leer, weil er auferstanden ist. Er ist aufgefahren gen Himmel, und ihm ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Es ist kein anderer Name den Menschen gegeben, darin sie sollen gerettet werden außer durch den Namen Jesus. Für alle Menschen, gleich welcher Hautfarbe, gibt es nur einen Weg: Jesus Christus. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er verändert sich nicht und ist immer noch derselbe wie vor 2000 Jahren. So, wie die Menschen damals zu ihm kamen, können auch wir heute zu ihm kommen."
Kaum hatte ich meine Predigt beendet, kam eine alte Frau auf mich zu und fragte: "Mfundisi (Pastor), ist das wahr, was du uns gesagt hast?"
"Ja", erwiderte ich.
"Lebt dieser Jesus, der Gott der Weißen, wirk­lich? Ist es genauso, wie du uns gesagt hast?" Ja!"
"Kannst du mit ihm sprechen?"
"Natürlich, du kannst auch mit ihm reden. Wir nennen das beten. Jeder kann beten."
"Oh", sagte sie, "ich bin so froh, daß ich einen Menschen gefunden habe, der einem lebendigen Gott dient. Ich habe eine erwachsene Tochter, die total verrückt ist. Könntest du deinen Gott bitten, daß er sie heilt?"
Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Was war ich doch für ein Esel gewesen! Ich hatte gedacht, diese Menschen in die Enge getrieben zu haben, nun habe ich mir selbst kein Schlupfloch gelassen. Wie soll ich mich aus dieser Situation befreien? Ich kann doch nicht einfach Gott bitten, dieses Mädchen zu heilen! Was soll nun geschehen, was soll ich tun? Ich habe hier eine einfache, heidni­sche Frau vor mir. Wäre sie wenigstens eine intel­ligente Person, könnte ich ihr die Frage stellen: "Bist du sicher, ob es Gottes Wille ist, daß deine Tochter gesund wird? Oder ist es nicht das Kreuz, das du zu tragen hast? Oder ist es über­haupt Gottes Zeit, daß sie jetzt geheilt werden soll?" Die Bibel spricht ja vom Kreuz, das wir zu tragen haben, von Gottes Wille, dem wir uns beu­gen sollen und von bestimmten Zeiten, die von Gott festgelegt sind. Wenn ich aber all diese Din­ge einer einfachen Heidin erklären wollte, würde sie dadurch nur irritiert. So war ich in der Klem­me und wußte nicht, was ich tun sollte. Äußerlich völlig ruhig, ließ ich mir meine Ratlosigkeit nicht anmerken. Schließlich fragte ich diese Frau: "Wo hast du deine Tochter? Ist sie hier?" - "Nein, sie ist zu Hause." Das war eine Erleichterung für mich. Wenn ich nur etwas Zeit gewinnen könnte, würde mir bestimmt etwas einfallen!
"Wo wohnst du denn?"
"Nicht sehr weit, etwa einen Kilometer ent­fernt."
"Können wir mit dem Wagen hinfahren?" "Ja, den halben Weg. Dann müssen wir zu Fuß gehen."
"Gut, gib mir etwas Zeit. Ich bringe hier alles in Ordnung, dann komme ich mit dir."
Auf dem Weg erzählte sie mir, daß sie eine Witwe sei. Ihr Mann wäre vor 4 Jahren gestorben. Sie hatte nur diese eine Tochter und einen Sohn, der in Durban arbeitet und verheiratet sei. Als wir den Ort erreichten, wo sie wohnte, warf ich einen Blick in ihre Hütte und rief erschrocken aus: "Aber du hast mir ja nicht die Hälfte erzählt von dem, was ich hier sehe!"
Ich sah nämlich das Mädchen mitten in der Hütte sitzen, mit Drähten an den Armen gefes­selt. Diese hatten ihr tiefe Wunden ins Fleisch ge­schnitten, so daß das Blut herabfloß. Das Mäd­chen war mit Narben und Wunden bedeckt. Eini­ge waren verheilt, einige noch frisch. Sie riß mit solcher Gewalt an den Fesseln, daß sie tief in die Arme schnitten. Unaufhörlich redete sie in frem­den Sprachen. Teilweise konnte man nicht verste­hen, um welche Sprache es sich handelte.
"Wie lange ist sie schon angebunden?" fragte ich die Mutter. "Die letzten drei Wochen hat sie nicht aufgehört zu reden. Tag und Nacht spricht sie. Sie ißt nichts und schläft nicht. Wir bringen ihr das Essen, aber sie nimmt den Teller und wirft ihn gegen die Wand."
"Aber warum nehmt ihr nichts Weiches, um sie anzubinden? Es ist ja grausam, sie mit Draht zu fesseln."
"Wir haben schon alles versucht. Sie zerreißt die stärksten Stricke. Dann rennt sie umher, und wir können sie nicht einfangen. Sie geht in die Gärten und Felder der Nachbarn, reißt den Kohl, den Mais und anderes Gemüse heraus. Sie verwü­stet alles. Die Menschen haben Angst vor ihr, und die Männer nehmen ihre Stöcke, schlagen sie und hetzen die Hunde auf sie. Oft läuft sie in die Ber­ge und kommt nicht zurück." Die Frau sah mich an, und mit Tränen in den Augen fragte sie mich: "Kannst du dir vorstellen, was es für ein Mutter­herz bedeutet, solch ein Kind zu haben?"
Dann fuhr sie mit ihrem Bericht fort: "Meine Tochter zerreißt auch ihre Kleider in Stücke und läuft nackt umher. Sie ist sehr gefährlich. Es gibt hier einen Mann, der eine große Narbe von einem ihrer Bisse hat. Wenn sie jemand beißt, läßt sie so lange nicht los, bis eine andere Person zu Hilfe kommt. Einmal rannte sie in die Schule, und die Schulkinder sprangen aus Furcht aus den Fen­stern und flohen vor ihr. Das Schulkomitee hat mir schon sagen lassen, daß etwas geschehen müsse, um diese Vorfälle zu verhindern. Schau dir meinen Viehstall an. Ich habe keine Kuh, kei­ne Ziege und kein Schaf mehr. Alle Tiere, die ich besaß, habe ich den Geistern geopfert. Die Kühe, die ich nicht geschlachtet habe, mußte ich verkau­fen und damit den Zauberer bezahlen. Jetzt bin ich völlig verarmt und habe kein Geld mehr. Ich bin am Ende meiner Kräfte." Weinend beendete sie ihren Bericht mit den Worten. "Weißt du, oft wollte ich ein Messer nehmen und damit meiner Tochter die Kehle durchschneiden. Dann wieder wollte ich meinem Leben ein Ende setzen. Doch immer hielt mich etwas zurück. Was würde aus meinem Kind werden? Niemand würde sich um sie kümmern. Nun bin ich so froh, daß ich einen Menschen gefunden habe, der einem lebendigen Gott dient. Vielleicht ist da noch eine Hoffnung."
Als die Frau das sagte, war es mir, als würde mein Herz aufhören zu schlagen. Innerlich schrie ich zu Gott: "O Herr, du bist noch der gleiche Gott wie zuvor. Kannst du nicht eingreifen?" Dann ging ich zu einigen meiner Mitarbeiter und erzählte ihnen mein Erlebnis. Ich fragte sie, ob sie nicht mit mir für dieses Mädchen beten wollten. Als nächstes fuhr ich zur Farm meiner Eltern und bat um ein Zimmer, wo wir das Mädchen unter­bringen konnten, während wir für sie beteten. Meine Eltern waren damit einverstanden und richteten ein Zimmer her. Zusammen mit einigen Männern holten wir dann das Mädchen in mein Elternhaus. Die ganze Gegend, der ganze Stamm wußte inzwischen von diesem Vorgang. Ich sagte zu meinen Leuten: "Seht ihr, nun haben wir jah­relang für eine Erweckung gebetet, aber sie blieb bisher aus. Vielleicht ist dies das Streichholz, das wir anzünden müssen, damit das Feuer brennt. Wenn dieses Mädchen geheilt wird, könnte die Erweckung ausbrechen, weil der ganze Stamm dieses Mädchen kennt, der Häuptling, die Kin­der, jung und alt. Welch ein Sieg wäre das für un­seren Herrn Jesus, wenn das Mädchen geheilt würde. Dann würden die Zulus erkennen, daß Je­sus der einzig wahre Gott ist."
Kaum hatten wir das Mädchen in das hübsch eingerichtete Zimmer gebracht, fing es an, die Stühle zu zerbrechen und den Tisch umzukippen. Wir mußten schließlich sämtliche Möbel aus dem Zimmer entfernen, lediglich das Bett ließen wir stehen. Aber dann versuchte das Mädchen, die Sprungfedern herauszureißen, so daß wir auch das Bett heraustragen mußten und ihm nur eine "Icansi" (Grasmatte) mit einer Decke ließen. Die nächste Aktion unseres Schützlings war, daß die Fensterrahmen und Fensterscheiben zerbrochen wurden. In wenigen Stunden sah das Zimmer wie ein Schweinestall aus, wo nicht nur ein, sondern mehrere Schweine hausten.
Drei Wochen lang beteten wir Tag und Nacht, aber das Mädchen wurde nicht geheilt. Dafür war ich am Ende und einem Nervenzusammenbruch nahe. Das Mädchen sang unaufhörlich seine sa­tanischen Lieder. Jemand riet mir, ich solle das Blut Jesu anrufen, der Teufel würde das fürchten und davor fliehen. Doch auch das hatte keinen Erfolg. Im Gegenteil, das Mädchen begann das Blut zu lästern. Immer wieder ertönten diese schrecklichen, lästerlichen Lieder über das Blut und den Tod des Herrn Jesu, wie nur der Teufel es tun kann. Bei all dem saß das Mädchen halb­nackt oder völlig nackt in ihrem Kot. Mit den bloßen Füßen stampfte es den Fußboden, wie wenn jemand mit einem Hammer zuschlägt, um ihn zu zerbrechen. So ging das stundenlang, und man konnte den Lärm und die gotteslästerlichen Gesänge von weither hören.
Ich konnte das alles nicht verstehen. Wir hat­ten das getan, was die Bibel uns lehrt, aber es funktionierte nicht. Die Praxis unterschied sich von der Theorie. Ich fühlte mich wie die Evolutionisten, kluge Menschen dieser Welt, die be­haupten, daß es keinen Schöpfer und keinen Gott gibt. Vor Millionen oder Milliarden von Jahren seien wir Fische gewesen, und diesen Fischen wä­ren dann Beine gewachsen. Daraus hätte sich nicht nur der Frosch, sondern auch der Affe ent­wickelt. Auf irgendeine Weise hätte er dann sei­nen Schwanz verloren, und damit hätte die menschliche Rasse ihren Anfang genommen. Die Vertreter dieser Lehre können das alles ganz ex­akt erklären, ja sie können sogar den Entwick­lungszeitraum festlegen. Aber eigenartigerweise gab es immer ein "missing link" (ein fehlendes Glied). Vor Jahren wurde bekannt, daß ein Pro­fessor Smith einen Fisch entdeckte, den Coelacanth. Er glaubte, damit das fehlende Glied ent­deckt zu haben. Zu seiner großen Enttäuschung bewahrheitete sich dies nicht. Und genauso fühlte ich mich in meiner Lage. Die Theorie stimmte, aber nicht die Praxis. Was sollte ich tun? Sollte ich zu der Mutter zurückgehen und ihr sagen, daß ihre Tochter nicht geheilt worden war? Alle Men­schen in der Umgebung wußten ja, daß wir Chri­sten für dieses Mädchen beteten. Sie hatten ge­hört, als ich ihnen predigte: "Geht nicht zu den Zauberern, opfert nicht Ochsen und Ziegen für die Geister. Jesus ist die Antwort auf jedes Pro­blem. Kommt zu ihm." Sie warteten, was gesche­hen würde. Und nun haben die Christen versagt. Mit all unseren Kräften hatten wir gebetet: "O Gott, es steht nicht unser Name auf dem Spiel. Die Leute werden nicht sagen, wir hätten versagt, sondern sie werden sagen: Es ist ihr Jesus, der ver­sagt hat." Aber der Himmel war wie verschlossen. Keine Antwort auf unsere Gebete! Schließlich ga­ben wir alle auf und mußten das Mädchen zu­rückbringen.
Aber dann flehte ich den Herrn an: "O Gott, ich bitte dich, daß du mich irgendwo anders hin­schickst. Ich kann nicht mehr vor diesen Men­schen stehen und ihnen predigen. Ich muß ehrlich zu ihnen sein und kann nicht für etwas eintreten, das in der Praxis nicht funktioniert. Auch mir ge­genüber muß ich ehrlich sein. Ich habe ein Herz und ein Gewissen." Ich konnte schließlich nicht zu diesen Menschen gehen und erklären, daß es keinen Gott gibt, und daß die Religion der Wei­ßen nichts taugt. Es würde das Beste sein, daß wir an einen anderen Ort gingen. Aber ich sagte mir, daß ich nie wieder so töricht predigen würde und dadurch in solch schwierige Situation geriet, in der ich nun gelandet war.

Von dieser Zeit an konnte ich nicht mehr glau­ben, daß die Bibel Gottes Wort und alles Wahr­heit ist, was darin steht. Es könnte sein, daß ein Teil der Bibel stimmt und der andere Teil nicht. Alles, was sich nicht mit meiner Erfahrung und meinen Gedankengängen vereinbarte, lehnte ich ab. Ich war wie ein Narr, der auf einem Thron sitzt und darüber urteilt, was Wahrheit ist und was nicht. Ich sagte: "Dies gilt für heute und jenes nicht. Das galt für die Zeit vor 2000 Jahren, aber nicht mehr für heute. Die Dinge haben sich geän­dert. Wir können nicht erwarten, daß alles wahr ist, was in der Bibel steht."
In all den Jahren hatte ich das Evangelium ge­predigt, und es geschah manchmal, daß Hunderte von Menschen in einem Gottesdienst nach vorn kamen, um den Herrn Jesus anzunehmen. Ich be­tete dann gewöhnlich ein Bußgebet mit ihnen, be­vor sie heimgingen. Ich kannte diese jungen Leute und kannte auch die Art von Büchern, die sie zu Hause lasen. Ich wußte, daß einige sogar porno­graphische Hefte besaßen - und sie alle hatten den Herrn Jesus angenommen! Mir waren junge Männer bekannt, die nicht an einem Buchladen vorbeigehen konnten, ohne die Bilder von nack­ten Mädchen anzuschauen, die dort hingen, ja, die sie sogar kauften und zu Hause vor ihren El­tern versteckten. Und all diese jungen Männer hatten den Herrn Jesus angenommen! Der Herr Jesus hatte der Samariterin am Jakobsbrunnen gesagt: "Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trin­ken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten." (Joh. 4,13 + 14) Nein, das ist nicht wahr, sagte ich mir. Gibt es denn Menschen in dieser Welt, die durstiger sind als die Christen? Einige Christen verlangt es sogar nach abscheuli­chen Sünden, und wenn sie nicht öffentlich sün­digen können, tun sie es heimlich. Sie kamen ein­mal zu Jesus und tranken, doch sie sind noch im­mer durstig. Einige verlangen nach Zigaretten, ei­nige nach Alkohol, einige nach Sex und anderen weltlichen Dingen. Kinder fragen, warum sie nicht ins Kino oder zum Tanzen gehen dürfen und ihr Leben genießen können wie die anderen. Es fällt den Eltern schwer, ihre Kinder richtig zu erziehen. Aber alle sind Christen! Jesus hatte wohl einen Fehler gemacht oder zu­mindest die Verfasser des Neuen Testamentes. Johannes hatte wohl nicht exakt niedergeschrie­ben, was Jesus gesagt hatte. Meine Erfahrung war anders. Diese jungen Leute waren zu mir gekom­men, ich hatte mit ihnen gebetet, und sie nahmen den Herrn Jesus an. Aber sie blieben schmutzig. Wenn man sieht, wie sie sich kleiden, ist es genau­so wie die Weltmenschen es tun. Die Bibel aber lehrt uns: "Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist." (l.Joh. 2,15) Sieht man einen Chri­sten und einen Weltmenschen in der Stadt, so kann man oft keinen Unterschied feststellen. Die Bibel sagt aber: "Stellt euch nicht dieser Welt gleich." (Röm. 12,2) Es gab viele Verse der Bibel, deren Wahrheitsgehalt ich anzweifelte, weil ich nicht glauben konnte, was dort stand. Ich glaubte an das, was ich erfahren hatte, was ich sah und hörte.

Es dauerte noch sechs weitere Jahre, bis ich schließlich nach zwölf Jahren Predigtdienst nach Mapumulo kam. Immer wieder sann ich darüber nach und rief mir ins Gedächtnis zurück, wie mich einst Gott gerufen hatte, das Evangelium zu verkündigen. Hatte ich nicht damals gesagt: "Herr, wenn ich ein Prediger des Evangeliums werde, will ich nicht Kirche spielen." Als ich mich nun selbst fragte: Erlo, was hast du die letzten zwölf Jahre getan, mußte ich bekennen, daß ich die ganze Zeit gespielt hatte. Zwölf Jahre lang hatte ich gepredigt, und ich konnte nicht einmal zwölf Menschen vorweisen, die Christen nach biblischem Maßstab waren. Ich erinnerte mich an das Wort des Apostels Paulus in 2. Tim. 3,1 + 5: "In den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Es werden Menschen sein, die haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie; und solche meide." Wo sind die Menschen, die solche Kraft haben, von der die Bibel spricht? Ich habe diese Kraft nicht. Ich kann so nicht weitermachen. Ich sah andere Menschen, die offensichtlich ihr Leben genossen. Sie verdienen ihr Geld, und hier stehe ich als ar­mer Missionar und predige etwas, das sich in Theorie und Praxis unterscheidet.
Ich rief meine Zulugemeinde zusammen und erklärte meinen Bankrott: "Ich bin am Ende, ich kann nicht weiter." Vielleicht lag das Problem auch in der Tatsache, daß ich theologische Ideen gebrauchte und Dinge wegerklären wollte. Viel­leicht waren diese Menschen zu ungebildet und zu primitiv. Wenn sie mehr lernen würden, könn­ten sie die Wahrheit besser erfassen. Doch es gab ein Wort in der Bibel, an das ich mich plötzlich erinnerte. Der Herr Jesus nahm eines Tages ein Kind und stellte es in die Mitte. Dann sagte er: "Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen (Lk. 18,17). Das sollte jeder Christ und Pfarrer zu Herzen nehmen. Jesus sagt in Matth. 18,3: "Es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kin­der, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kom­men." Er meint damit nicht, daß wir kindisch werden sollen, sondern "wie die Kinder" bedeu­tet, kindlich sein im Glauben. Das ist ein Unter­schied.
Dieses Wort aus dem Munde Jesu gab den Ausschlag, daß ich beschloß, meine ganze soge­nannte Weisheit fahren zu lassen und die Bibel in kindlichem Glauben zu lesen. Dann fragte ich diese Zulus, ob sie bereit wären, zweimal täglich zu einer Bibelstunde zu kommen. Morgens um sieben und abends um fünf Uhr. "Wir werden die Bibel zur Hand nehmen und wollen nichts weger­klären. Wir wollen uns auch nicht rechtfertigen, sondern das akzeptieren, wie es geschrieben steht. Wenn Gott wirklich der Gott der Bibel ist und sein Wort der Wahrheit entspricht, dann laßt es uns versuchen und feststellen, ob es stimmt. Je­sus sagte, daß er nicht gekommen ist, die Welt zu richten, sondern das Wort, das er geredet hat, wird die Welt richten. Wir wollen es ausprobieren und uns prüfen. Laßt uns auch nicht sagen: "Das gilt für uns heutzutage nicht mehr. Das ist für die Menschen vor zweitausend Jahren geschrieben. Nehmen wir es an, so wie es dasteht." Alle waren mit meinem Vorschlag einverstanden.

undefinedNächstes Kapitel

Buchvorstellung

Band 3 von Bärbel Koch.

Aus dem Inhalt:

In den Fängen der Bulimie. Ein Kommunist lernt das Fürchten. Requiem für einen Verbrecher.

108 Seiten, 4,50 €

Leseprobe:

Kirchliche Traditionen und Feste spielen noch heute in unserem Dorf eine große Rolle. Allerdings konnte ich nie den Gegensatz zwischen dem, was in der Kirche gepredigt wurde, und wie die Menschen um mich herum lebten, vereinbaren. Was gab es da für Neid, üble Nachrede, Unehrlichkeit, Eifersucht, Streit und Trunkenheit! Nie wusste ich, wie ich bei den Leuten dran bin. Meinen sie das, was sie sagen, oder meinen sie das Gegenteil? Mit der Zeit wurde ich immer misstrauischer und unsicherer.

Menschen berichten...

Auf dem schmalen Weg kam Lydia an eine Stelle, wo drei Männer dabei waren, unentwegt andere Pilger in schwarze Särge zu legen. Es wurde Lydia deutlich gemacht: das sind Gläubige, die über die Sünden der anderen reden, die kritisieren, verurteilen, verdammen; Gläubige, die andere abschreiben und "beerdigen" und dabei ihr Ziel verfehlen. Sie konnten auf dem schmalen Weg nicht weiter gehen...

Aus dem Buch "undefinedIm Paradies"

Erweckung

Mit all unseren Kräften hatten wir gebetet: "O, Gott es steht nicht unser Name auf dem Spiel. Die Leute werden nicht sagen, wir hätten versagt, sondern sie werden sagen: Es ist ihr Jesus, der versagt hat." Aber der Himmel war verschlossen. Keine Antwort auf unsere Gebete... (Erlo Stegen in dem Buch "undefinedErweckung unter den Zulus")

Zitat Dr. Koch

"Das Kreuz von Golgatha ist das große Mahnmal des Sieges und der Befreiung von allen Finsternismächten. Wer zum Kreuz kommt, hat teil an diesem Sieg Jesu Christi."